Der Soundtrack der Nacht

Ich kann mir wirklich Schöneres vorstellen. Ehrlich. Aber manchmal passieren Dinge, die man nicht beeinflussen kann! Da entgleitet einem die Situation und man ist völlig machtlos.

So ging es mir vergangene Nacht. Ich wurde vom mittelgroßen Kind gegen 3:30 aufgefordert, die Restnacht mit ihm zu verbringen. Sowas diskutiere ich nicht mehr, seit das mittelgroße Kind ein normalgroßes Bett mit Auszug besitzt und ich mich nicht mehr dazuquetschen muss um den Rest der Nacht abwechselnd getreten oder geboxt zu werden. Schlaf ist einfach zu kostbar. Also Bettwechsel. Das Kind ist sofort wieder eingeschlafen. Ich nicht.

„Die Gedanken sind frei“ kriegt in solchen Situationen eine eigene Bedeutung, weil man würd sie dann eigentlich doch recht gern einsperren. Oder zumindest knebeln. Eh so, dass sie noch Luft kriegen! Weil das aber nicht geht, haben sie sich gedreht und gewunden und immer wenn ich dachte, ich wäre mit einem Thema durch, weil eigentlich verwehre ich mich dagegen über Dinge nachzudenken, die ich momentan nicht beeinflussen kann, ist dem Kopf noch was eingefallen, was er nur ganz schnell noch durchgedacht haben wollte.

Das war aber immer noch nicht das eigentliche Problem dieser Restnacht. Das eigentliche Problem, war der Soundtrack dazu! Angefangen hats mit Ed Sheerans „Perfect“. Das kann ich eh schon nicht leiden. Ich mochte es mal, weil ich es so entzückend fand. Dann wars mir aber schnell zu perfekt produziert und ich hab vor meinem inneren Auge schon Millionen und Abermillionen Brautpaare übers Parkett schweben gesehen, sich gegenseitig anschmachtend, weil das genau „ihr“ Lied ist. Wäh! Mag ich nimma. Just dieses Lied lief aber in Dauerschleife. Schön im Hintergrund. Und natürlich nicht der ganze Song, sondern immer nur diese eine Zeile: „I don’t deserve this, darling, you look perfect tonight“. Ich war nicht mehr damit beschäftigt, meine Gedanken zur Ruhe zu bringen, sondern einen anderen Sender zu finden. Erfolgreich! Nach einer gefühlten Stunde wurde endlich was anderes gespielt. „Uptown Girl“. Wenigstens in der Originalversion von Billy Joel und nicht in der schrecklichen Boybandkitschversion von Westlife. Danke Kopf! Hat aber nicht lange gehalten und wurde bald abgelöst von Fanta 4 „Nur in deinem Kopf“. Das nenn ich mal einen Genresprung! Am Übergang müsste man vielleicht noch feilen.

Das war gegen 5:30. Da kommt nämlich immer der Zeitungsmann und liefert mir und manchem Nachbarn die Zeitung. Und das macht er so leise, dass man es kaum wahrnimmt. Der klescht das Papier so gekonnt auf den Boden, dass man die Erschütterung noch im Waldviertel wahrnehmen kann. Und während ich noch überlegt habe ob es nicht gscheiter wäre, jetzt einfach aufzustehen, in Ruhe Zeitung zu lesen und vielleicht diesen Text zu schreiben, bin ich wohl wieder eingeschlafen. Um 45 Minuten später von einem charmanten, nahezu geflüstertem: „Können wir jetzt endlich aufstehen?!“, geweckt zu werden. Uptown Girl, she’s been living in her uptown world….

Wenn ich die nächsten Tage etwas stiller sein sollte, bin ich nicht gestorben. Ich hab nur Fasching!

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