Mömö

Wenn Wien anders ist, ist Mödling anderserer. Besonders im Fasching. Weil hier wird er nicht nur gefeiert. Er wird zelebriert.

Im Geschäftsleben stellt sich im Großraum Mödling nur eine Frage: vor oder nach dem Fasching? Hier wundert das aber auch keinen! Wenn man nun aber viele Auswärtige als Kunden hat, wird man schon gefragt, ob man denn diese eine Woche auf Urlaub wäre. Ha! Urlaub! Es ist Fasching! Unsere Zeitrechnung ist eine andere. Geschäftszeiten werden ausgesetzt, die Terminplanung wird umgelegt. Alles was sich vorm Fasching nicht ausgeht, wird einfach um eine Woche verschoben. Die Stadt stellt sich drauf ein.

Schon Wochen vor dem Faschingssonntag werden aufwändige Dekorationen für die Umzugswägen gebaut und gebastelt. Es reicht nicht sich einen bunten Hut aufzusetzen. Lokale, Geschäfte, sogar Banken überlegen sich ein Motto und wählen die Kostüme danach aus.

Auch heuer betreuen die BFF und ich wieder durstige Gäste im Schrannenbeisl, einem alteingesessenen Lokal in der Innenstadt, das sich über die Jahre zu DEM Faschingslokal schlechthin entwickelt hat. Früher oder später zieht es jeden ins Beisl. Was auch ein bissi an uns liegt, wie ich mit Stolz behaupten darf. Seit mehr als zehn Jahren stehen wir zu diesem besonderen Anlass hinter unserer Bar und schreien, mal mehr mal weniger freundlich, Menschen an. Zum Teil, weil wir akustisch nicht verstehen was sie wollen. Zum Teil, weil sies nicht anders verdient haben.

Auch wir machen uns schon Wochen vor dem Tag X Gedanken über Verkleidungen. Zum einen muss man gut drin arbeiten können ohne sich zum Trottel zu schwitzen. Zum anderen solls auch ein bissi nett ausschauen, weil wir sind ja nicht unseres Trinkgeldes Feind. Ja, das ist berechnend. Natürlich! Wir machen das ja nicht zum Spaß. Fasching ist nicht lustig. Fasching ist harte Arbeit.

Am Sonntag geht´s also los. Eine Stadt im Ausnahmezustand. Wer von außerhalb anreist, sollte das besser mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder von mir aus mit dem Rad bewerkstelligen, weil Parkplätze gibt´s eher wenige. Schon vormittags sichern sich die Insider die besten Plätze entlang der Hauptstraße um den großen Umzug zu betrachten und sich mit Zuckerln bewerfen zu lassen. Man kann den mitmarschierenden Gemeinderat übrigens ganz hervorragend aus der Fassung bringen, wenn man zurückschießt. Also wirft mein ich. Zuckerl! Nach dem Umzug bricht der Wahnsinn dann ausnahmslos überall aus. Das wäre nun der beste Zeitpunkt sich schon mal vorsorglich in ein Lokal zu begeben, wenn man einen guten Platz an der Bar ergattern will. Etwas später könnte es nämlich passieren, dass man in keines mehr reinkommt. Fast alle Gastronomen setzen im Fasching mittlerweile auf eigene Türsteher um den Gästen  einen angenehmen Aufenthalt und den Kellnern das Arbeiten ansich zu ermöglichen. Wir haben dazugelernt über die Jahre und ein übervolles Lokal ist für niemanden gut.

Der Wahnsinn endet am Aschermittwoch, irgendwann in den frühen Morgenstunden, wenn wir das Schrannenbeisl dicht machen und in die alkoholgeschwängerte Morgenluft hinaustreten, in einen knöcheltiefen Morast aus Konfetti, Luftschlangen, Glasscherben und irgendwelchen Flüssigkeiten, deren Herkunft ich gar nicht so genau wissen will. Leise beginnt die Stadtreinigung mit der Beseitigung der Spuren der Nacht und schon wenige Stunden später ist der Fasching nur noch eine Ahnung in Form eines einzelnen Konfettis, das munter durch die Fußgängerzone tanzt. Bis ein Jahr später der erste Narr „MÖMÖ“, ruft und alles wieder von vorne anfängt. Aber bis dahin haben wir noch Zeit. Jetzt bringen wir erst mal den Fasching 2019, hoffentlich gut und friedlich, über die Bühne. Mömö!

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