Vernetzt

Ich bin tatsächlich so alt, dass ich mich an die Anfänge des Internets erinnern kann. Also an die Zeit zu der diese arge Sache einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. An die Geräusche, die ein 15K Modem gemacht hat, beim Versuch sich zu verbinden. Man ist gebannt vorm PC gesessen und hat gehofft, dass es klappt! Das hat auch richtig Geld gekostet, so eine Internetverbindung. Wenn man zuhause sowas hatte, war man der Hero bitte! Eingesetzt hat man es aber sparsam, weil teuer. Lieber im Büro und da auch nicht dauernd, weil das Festnetz in der Zeit nicht ging und einen der Chef nicht erreichen konnte. Handy hatte man ja noch keins! Ha!

Heutzutage ist das unvorstellbar. Die Wolke ist überall und gibt es irgendwo kein Gratis-Wlan muss man sich auf einen wütenden Mob gefasst machen, der mit unzähligen Smartphones herumfuchtelt und auf sein Grundrecht auf Internet pocht. Gestern hab ich gesehen, dass es in der Badner Bahn Wlan gibt. In der Badner Bahn bitte! Der Straßenbahn, die die Provinz mit der großen, bösen Stadt verbindet. Nicht falsch verstehen, ich mag die Provinz. Immerhin wohn ich absichtlich da. Aber die Badner Bahn hat für mich schon was steinzeitliches. Diese alten Garnituren in beige/blau haben was von Omas Wohnzimmer. Ein bissi alt, ein bissi verstaubt aber liebenswürdig. Und dann haben die voll Wlan! Da schnallst du ab!

Immer reden alle von der schlimmen Jugend, die ohne Smartphone und dazugehöriges Netz quasi nicht lebensfähig wäre. Deren Leben sich mehr auf den sozialen Netzwerken abspielt als im echten Leben. Wenn ich mich aber am bald 41-jährigen Naserl nehm, muss ich ehrlicherweise zugeben, dass das verflucht praktisch ist. Wikipedia ist mein Freund, seit Google Maps hat das gute TomTom ausgedient, ich spiel echt gern Mahjong und von Whatsapp red ich erst gar nicht. Wenn das mittelgroße Kind einmal die Woche im Schwimmkurs ist, vertreib ich mir die Zeit mit spielen. Ich schau sogar extra ob ich eh genug Akku hab. Das steht auf der Horrorszenarioliste für Smartphone-User gleich an zweiter Stelle.

  1. Kein Netz
  2. Akku leer
  3. kein Ladekabel

Die Vollprofis haben natürlich eine Power-Bank dabei und lachen über solche Amateure wie mich aber irgendwann muss dann schon ein Punkt gemacht werden. Die Jugend ist wahrscheinlich gar nicht so schlecht wie ihr Ruf. Ich bin nur genervt wenn sie im Schneckentempo über den Zebrastreifen trotten obwohl die Fußgeherampel schon lang rot ist, und jeder das Telefon vorm Gesicht hat. Wenn man, so wie ich, in einer Schulstadt lebt, wo die Pubertiere in Rudeln auftreten, kann einem das schon den vorletzten Nerv kosten. Aber so ändern sich halt die Zeiten! Wir sitzen ja auch nicht mehr in Säbelzahntigerfelle gehüllt ums Lagerfeuer. Früher hat sich die Familie um den Volksempfänger versammelt. Und warum? Weils nix anders gab. Heute hat jeder seinen Netflix Account und das hat doch auch was kommunikatives! Allein die stundenlangen Diskussionen welche Serie als nächste geschaut wird.

Es hat sich schon viel getan in den letzten 20 Jahren. Nicht jede Entwicklung war gut aber die Welt verändert sich eben. Wer weiß was uns noch erwartet! Ich finds spannend.

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