Sommer mit Kind

Der Sommer ist vorbei. Halleluja! Es war ein langer, heißer, ereignisreicher Sommer.

Wir waren nämlich wirklich oft im Theater. Das war nicht meine Idee, sondern die Idee von meiner Freundin C., die zufällig die Mutter der allerbesten Freundin des mittelgroßen Kindes ist. Wie praktisch! Viermal Kindertheater/Kindermusical. Vier Stücke. Vier Locations.

  1. Alice im Wunderland/Teatro im Stadttheater Mödling
  2. Ritter Rost feiert Weihnachten/Kittenberger Erlebnisgärten
  3. Die kleine Meerjungfrau/Märchensommer Poysbrunn
  4. Ronja Räubertochter/THEO Perchtoldsdorf

Alice im Wunderland kennt man. Glaubt man. Die Macher von Teatro sind nämlich richtige Macher und adaptieren eine bekannte Geschichte und machen eine Neue draus. Die Musik wird extra komponiert, die Darsteller sind oft Kinder und Jugendliche. Die Lieder gehen ins Ohr, das Programm ist aufwändig gestaltet, die Kostüme sind fantastisch, die Doppel-CD um 25 Euronen ist durchaus erschwinglich und man hat auch als Erwachsener was zu schauen! Wir saßen 1. Reihe auf der Galerie und hatten Sitzerhöhungen mit, weil Kinder von oben durch die hohe und breite Brüstung schlecht zur Bühne sehen. Mit den Erhöhungen ging es einigermaßen. Die Kartenpreise, abhängig von der Kategorie, waren 44 Euro bzw. 29 Euro für die Kinderkarte. Die Mädels waren begeistert, was die Hauptsache ist, und die Mamas waren erleichtert, weil die Kinderleins bis zum Schluß durchgehalten haben! Letztes Jahr, mit 4 1/2 und knapp 4 Jahren, haben sie in der Pause aufgegeben. Heuer war von heimgehen keine Rede, sie wollen schließlich wissen wie das da jetzt weitergeht mit der Herzkönigin und der Alice. Die CD wird rauf und runter gehört und das ist wohl der beste Beweis, dass das Stück Eindruck hinterlassen hat.

Ritter Rost feiert Weihnachten war allein dadurch schon ein Erlebnis, weil die Location so besonders war. Die Kittenberger Erlebnisgärten zahlen sich nämlich schon ohne Theater aus für einen Tagesausflug. Es gibt viel zu sehen und zu erleben! Ein riesiger Spielplatz, ein großer Irrgarten und ein Streichelzoo verkürzten die Wartezeit ungemein, bevor es im Amphietheater los ging. Der Vorteil eines Amphietheaters ist eindeutig, dass man von überall eine gute Sicht hat. Dargestellt von Erwachsenen Profis verging die 60-minütige Vorstellung wie im Flug. Die Geschichte war kurzweilig, die Lieder super gesungen, die Figuren witzig und am Ende gabs sogar noch Autogramme. Der Eintritt in die Erlebnisgärten ist im Kartenpreis von 22 Euro bzw. 15 Euro inbegriffen. Kinder müde und glücklich, Mamas zufrieden.

Die kleine Meerjungfrau – neu erfischt führte uns ins nördliche Niederösterreich, ins beschauliche Schloss Poysbrunn, eine gute Stunde Autofahrt von Mödling entfernt. Allein der Anblick des Schlosses versetzt einen in Märchenstimmung. Mei ist das schön! An der Kasse, Karten zu 27 Euro bzw. 16 Euro, mussten wir entscheiden mit wem wir im Laufe des Stücks mitgehen wollen. Es gab drei Figuren zur Auswahl, wir entschieden uns für das Team Möwe, weil nicht gruselig. Der ganze Vorplatz des Schlosses war zum Thema passend dekoriert, selbst das Gastrozelt zierten Fischernetze. Die Geschichte startete für alle Besucher im Theaterzelt, Kinder nach vorne Erwachsene nach hinten, und teile sich dann im Laufe des Stücks in drei Gruppen, die in verschiedene Teile des Schlosses geführt wurden. Jede Gruppe erlebte dann den Mittelteil mit seiner Figur um am Ende, wieder zusammengeführt, den Schluss zu erleben. Das war so viel schön! Schöne Geschichte, schöne Location, schöne Lieder, schöne Kulisse, schöne Kostüme, schöne Stimmen. Alles einfach schön. Einzig die Toilettensituation war nicht so schön, aber das war dann auch schon der einzige Kritikpunkt. Die CD um 12 Euro haben wir natürlich eingepackt, ein Programmheft plus Schlüsselanhänger gab es um 3 Euro.

Ronja Räubertochter, der Klassiker von Astrid Lindgren. Und noch dazu quasi ums Eck! Das muss man sich anschauen. Oder auch nicht! Was einem im Gedächnis bleibt, ist der schier inflationäre Gebrauch des Wortes Hosenschisser. Und zwar nicht nur den Müttern. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe und ich kann mich nicht mehr an Details erinnern, Freundin J. las es aber grade mit den Söhnen und konnte deshalb glaubhaft versichern, dass es im ganzen Buch vielleicht 5-10 mal vorkommt. Diese 10 mal waren in den ersten 20 Minuten erledigt. Auch hier saßen die Kinder vorne und die Erwachsenen hinten. Das war schon alleine deshalb gut, weil so die Kinder das Augenrollen der Mütter nicht mitbekommen haben. Wäre es nach uns gegangen, hätten wir diesen Ort spätestens in der Pause verlassen. Es begann mit einer verstörenden Geburtsszene, die man auch gut nur hätte umschreiben können, zog sich über Dialoge in zweifelhaften Dialekten und gipfelte in einer mehr als seltsamen Auswahl an Kostümen und Requisiten. Alles spielte in einer aus Europaletten zusammengezimmerten Kulisse, das Bühnenbild bestand aus zusammengenähten grünen Stoffresten. Man kann das schon so machen! Muss man aber nicht. Wenn man sich schon so einen Klassiker vornimmt, sollte man auch imstande sein, den Inhalt kindgerecht zu transportieren. So war das Ganze aber leider ein verwirrendes, verstörendes Tohuwabohu, für das selbst die 12 Euro pro Karte zuviel waren. Die Kinder haben kein Wort mehr drüber verloren, erfreulicherweise nicht mal Hosenschisser, und die Mütter auch nicht, uns fehlten nämlich sämtliche Worte.

Ich kann also folgendes Resüme ziehen: Kindertheater ist ein schwieriges Genre für alle Beteiligten. Man kriegt für sein Geld alles geboten. Von grenzenloser Dilettanz bis zu hochprofessionellem Schauspiel, das eine Geschichte auf kindgerechte Art transportiert. Ich persönlich, und auch Freundin C., bevorzugen letzteres. Und deshalb sehen uns kommenden Sommer drei von vier Spielstätten sicher wieder! Statt der vierten brauchen wir dann eben ein Alternativprogramm. Wir könnten uns gegenseitig ins Aug fahren. Tut auch weh, kostet aber nix.

 

 

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